Radsport: Luca Spiegels Bild für die Wall of Fame

Luca Spiegels Bild für die Wall of Fame

 

Radsport: Er wurde fast ein bisschen rot, als er so mit Lob überschüttet wurde: Luca Spiegel, der das Abitur am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium fast schon in der Tasche hat, wurde kurz vor seinen letzten Prüfungen noch schnell geehrt und als Eliteschüler des Jahres 2022 ausgezeichnet. An der Schule wird er trotzdem noch oft sein.

Den Vertrag „für hinterher“ hat Luca Spiegel schon unterschrieben. Er bleibt im Bahnradteam Rheinland-Pfalz und trainiert damit weiter mit der altbewährten Gruppe und seinem Erfolgscoach Frank Ziegler. Und irgendwie schließt sich damit ein Kreis. Luca Spiegel, 18 Jahre alt, der in Landau und Großfischlingen aufgewachsen ist und seit seinem 15. Lebensjahr im Internat in Kaiserslautern wohnte und trainierte, ist jetzt sowas wie das große Vorbild und das Zugpferd. So wie einst eine Sportlerin, die für ihn das große Vorbild war. „Er ist von Miriam Welte mitgezogen worden. Jetzt ist er für das Bahnteam einer, der die anderen mitzieht, ein Motor, ein Vorbild“, lobte ihn Jan Christmann, der Sportzweigleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Frank Ziegler erinnerte sich daran, dass Spiegels erste Deutsche Meisterschaft die letzte von Miriam Welte war. Seitdem ist für das Talent, das aus der Südpfalz stammt, viel passiert. 2022 wurde der 18-Jährige bei der Europameisterschaft Vizemeister der Junioren im Teamsprint, sicherte sich bei der Junioren-WM die Bronzemedaille im Sprint und hält den deutschen Rekord im Sprint der Junioren. Spiegel wurde zweimal hintereinander zum Nachwuchssportler des Jahres in Rheinland-Pfalz gewählt, wurde in diesem Jahr zusammen mit seinem Trainer Frank Ziegler ausgezeichnet, der für sein „Lebenswerk“ geehrt wurde. In seiner Schule wurde Spiegel jetzt als Eliteschüler des Jahres geehrt. „Wir haben ihn gerade noch erwischt, bevor er das Abitur hinter sich hat und ins Leben entflieht“, erklärte Schulleiter Ulrich Becker mit einem Augenzwinkern. Und schob sofort hinterher, dass Spiegel ja der Schule noch ein Weilchen erhalten bleibe. Worüber er sich freue. Schließlich sei er „ein netter Kerl, ein vernünftiger Schüler, der auch noch gut fährt. Es ist eine Sache der Persönlichkeit, dass er nicht abhebt.“ Er sei am Boden geblieben und sei absolut beliebt in der Klasse, auch wenn er nicht oft da gewesen sei, weil er viel trainiert habe. Luca Spiegel wurde fast ein bisschen rot, als er so gelobt wurde und bedankte sich höflich beim Schulleiter, der Schule und den Lehrern, die ihm seinen Erfolg erst ermöglicht hätten. Die Vertreter der Sparkasse überreichten ihm die Urkunde. Und ein Geschenk ging auch an die Schule: Ein neues Bild für die „Wall of Fame“, die Wand im Flur zum Kraftraum der Schule, die gefüllt ist und immer wieder ergänzt wird mit Bildern von erfolgreichen Sportlern, die ihr Talent am Heinrich-Heine-Gymnasium entdeckt und/oder ausgebaut haben. Spiegels Bild wird jetzt das nächste in der Reihe. Seine Erfolgsgeschichte ist inzwischen längst weitergegangen. 2023 feierte der HHG-Schüler seine Premiere im Erwachsenenbereich, wo er kurzfristig für die EM nachnominiert wurde, vom Kraftraum aus den Flug buchte, in die Schweiz reiste, am nächsten Tag auf dem Rad saß und für Deutschland im Teamsprint auf Platz vier fuhr (wir berichteten). Ein Erlebnis, das er wohl nicht so schnell vergessen wird. Oder wie er seinen Start in Grenchen mit einem Grinsen beschreibt: „Bei den Junioren guckt man nebendran, da sind dann alle gleich groß, gleich schwer. Auf einmal sind da so 100-Kilo-Ochsen nebendran. Das ist schon was anderes.“ Für diesen Platz und dieses Erlebnis will Spiegel jetzt eifrig weitertrainieren. Schließlich stehen 2024 die Olympischen Spiele in Paris an. Dass sein Schüler mitbringt, was er dafür braucht, ist für Trainer Frank Ziegler klar. „Er ist Juniorenweltbestzeit gefahren, hat als erster Junior seit Jahren sofort den Sprung in den A-Kader geschafft.“ Doch erst einmal wartet da noch das mündliche Abitur, dann der Abiball. Wie es für ihn beruflich weitergehen soll, abgesehen vom Radsport, weiß er schon: Er will Maschinenbau studieren, höchstwahrscheinlich im Fernstudium, weil sich das mit den Radwettkämpfen und dem Training mit dem Bahnradteam und den Lehrgängen mit dem Bundestrainer besser verträgt und nicht überschneidet. Aber vorher will er sich noch einen großen Traum erfüllen: Er will sich einen Bus kaufen und zum Camper ausbauen, in den natürlich auch das Fahrrad passt.

 

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