Judo: Zwei Jahre keine Wettkämpfe

Judo Keine Wettkämpfe

Zwei Jahre keine Wettkämpfe, das ist krass!“

Hintergrund: Das Judojahr 2020 hat vor allem den Nachwuchs ziemlich ins Aus gestellt. 2021 war keinen Deut besser. In der Judogruppe am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG), an der Sporteliteschule in Kaiserslautern, war wenigstens Judo möglich. Mal durfte nur mit der Trainingspuppe trainiert werden, mal mit einem echten Partner. Wettkämpfe? Fehlanzeige!

Der Judo-Nachwuchs weiß teilweise nicht, wie sich Wettkampf anfühlt. Seit Anfang 2020 wurde für die Jüngeren alles abgesagt. Und es geht gerade so weiter. „Unsere mittlerweile U15er sind teilweise noch nie auf einem Wettkampf gewesen. Das ist echt krass!“ HHG-Judotrainer Uli Scherbaum spricht mit drastischen Worten an, was ihm die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. „Auf unseren Nachwuchs achten wir besonders. Diese Altersgruppe stellt die nächsten möglichen U18/U21er und somit auch die möglichen Bundeskader-Athleten“, treibt es Scherbaum um, dass die wettkampflose Zeit für den Nachwuchs gerade so weitergeht. Für die nächsten Monate ist bereits wieder jeder Wettkampf abgesagt. „Uns fehlen die Vergleichskämpfe, uns fehlen andere Trainingspartner“, stellt sich Scherbaum neben der Frage, wer sich in Zukunft durchsetzen kann, vor allem die Frage, wer dem Judosport unter diesen Bedingungen weiterhin treu bleibt. Wer wird mal in die Fußstapfen seiner Vorgänger treten? Der Weg ist laut dem Trainerurgestein Scherbaum ein langer, aber der Weg sei machbar, wenn der Nachwuchs die Lust nicht verliert. Genau deshalb wurde am HHG Ende des vergangenen Jahres zum ersten Mal eine Gürtelprüfung für die U12/U15er durchgeführt. „In Corona-Zeit ist es vielen Vereinen wohl nicht möglich gewesen, Gürtelprüfungen stattfinden zu lassen“, sagt der Trainer, für den die Prüfung am HHG in der wettkampflosen Zeit auch Motivation fürs Training war. „Alle 15 Prüflinge konnten mit Erfolg die nächsthöhere Graduierung erlangen“, freut sich Scherbaum für seinen Judonachwuchs. Trotz der Einschränkungen für den Nachwuchs und den Judosport insgesamt, 2021 gab es für die HHG-Judotruppe auch Erfolge zu verzeichnen. Die U18 und die U21 konnten ihre Meisterschaften durchführen. Es gab einige Südwestdeutsche HHG-Meister. Michael Krieger holte in der U21 zudem Bronze bei den Deutschen Meisterschaften und stieg in den Nationalkader der Männer auf. Olympia-BronzeUnd dann war da im vergangenen Jahr ja noch die alles überstrahlende olympische Medaille von Jasmin Grabowski. „Unsere ehemalige Spitzenathletin Jasmin Grabowski (ehemals Külbs) hat bei den Mannschaftswettbewerben der Olympischen Spielen in Tokio entscheidend dazu beitragen, dass die Bronzemedaille für das Judo-Team-Germany erkämpft werden konnte“, ist ein super stolzer HHG-Trainer noch Monate nach dem Erfolg der ehemaligen HHG-Sportlerin glücklich über Olympia-Bronze. Es hatte nach der Paralympischen Medaille des sehbehinderten ehemaligen HHG-Asses Matthias Krieger ganze neun Jahre gedauert, bis wieder ein ehemaliger HHG-Judoka, bis Jasmin Grabowski, erfolgreich nach einer olympischen Medaille greifen konnte. Jasmin ist das Vorbild für den HHG-Nachwuchs. International erfolgreich sein, so wie es die zweifache Olympionikin lange Jahre war, das ist für viele das Ziel. Obwohl, derzeit wären die U15er wahrscheinlich schon mit einem kleinen regionalen Wettkampf zufrieden. Lüften und Hoffen„ Als Vollkontakt-Sportart ist es schwierig, einen sicheren Weg für Wettkämpfe zu finden. Obwohl alles dazu beigetragen wird, wurde bislang alles abgesagt“, sagt Uli Scherbaum, der froh und auch dankbar ist, dass die über den Judoverband Pfalz angeschafften und im HHG-Dojo installierten Luftfilter wenigstens das Training erlauben und bisher auch keine Infektionen mit Corona über das Dojo vorgekommen sind. Scherbaum hofft nun auf bessere Zeiten, und seine Truppe trainiert fleißig für die nächsten Wettkämpfe, auch wenn die erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet werden.