Judo: Judo und Abstand? - Geht nicht!

Judo Bericht

Judo und Abstand? Geht nicht!

Judo: Abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen dürfen Kampfsportler nicht ins Dojo – HHG-Trainer Scherbaum sieht neben der Technik auch die Kraft schwinden

Kaum ein Sport wird durch Corona so massiv ausgebremst wie Judo. Wenn Abstand verlangt wird und Anfassen verboten ist, dann geht beim Judo weniger als nix. „Ziemlich schrecklich“, umschreibt Uli Scherbaum, Lehrertrainer an der Sporteliteschule, dem Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) in Kaiserslautern, die noch immer anhaltende Lage im Judobereich.Judo, bekanntlich der sanfte Weg zum Sieg, hat seit Wochen schlechte Karten. Judotraining, das bedeutet zwei Judokas fassen sich an, hieven sich gerne mal gegenseitig auf die Hüften, kämpfen dicht an dicht am Boden. Corona hat was dagegen und fordert von allen und jedem Abstand. Abstand und Judo, das funktioniert nun mal nicht. Also gibt es seit Wochen kein Judotraining, nicht in den Vereinen, nicht an den Stützpunkten und natürlich auch nicht im Dojo am HHG. Auch die dortigen Krafträume sind seit Wochen gesperrt. „Klar, wir schreiben Trainingspläne für zuhause, es gibt Links und gute anschauliche Videos, wie sich daheim bewegt werden kann“, verweist Judotrainer Uli Scherbaum darauf, dass jeder Einzelne nun an sich arbeiten muss. Nur, und da lässt Scherbaum, der am HHG nicht nur Judo trainiert, sondern auch Biologielehrer ist, keinen Zweifel, „wenn Judotraining wieder möglich sein wird, dann fangen wir zwar nicht ganz bei null an, aber wenn es gut gelaufen ist, ist noch 50 Prozent der Leistungsfähigkeit da!“ Und damit meint der Trainer nicht nur den Stand der Judotechnik, für den zwingend der Partner, dicht an dicht, gebraucht wird. Vor allem bei den jüngeren Judokas, so die Befürchtung Scherbaums, werden auch die Kondition, die Kraft und die Koordination ziemlich verlustig sein. Einen Vorwurf will er da aber gar nicht machen. Scherbaum hat Verständnis für die Sportschüler, die über Wochen täglich stundenlang daheim mit Schularbeiten kämpfen mussten, meist alleine auf sich gestellt und ohne nach einheitlichen Regeln greifen zu können, um dem Wust der unterschiedlichen Fächer Herr oder Frau werden zu können. Der als Angebot gedachte Trainingsplan sei da bei einigen nicht gut angekommen. „Stephan Hahn und ich haben immer mal wieder rumtelefoniert, wollten wissen, wie es den Schülern geht“, berichtet Scherbaum davon, dass er gemeinsam mit seinem HHG-Trainerkollegen vielfach den Frust der nach Hause verbannten Judokas heraushören konnte. Die ersten Schüler sind mittlerweile am HHG zurück, in den Klassensälen, nicht im Dojo (wir berichteten). „Wen ich auch gefragt habe, alle sind froh, dass die Schule weitergeht“, so Scherbaum, der inständig auf die inzwischen angekündigten Lockerungen im Sportbereich hofft und darauf, dass die bald auch für Judo gelten. Einige wenige Ausnahmen gibt es schon eine Weile. So dürfen etwa Jasmin Grabowski, am HHG als Jasmin Külbs in die Weltspitze vorgedrungen und in der Vorbereitung auf Olympia, genau wie der ehemalige HHGler Alexander Wieczerzak am Olympiastützpunkt in Köln unter strengen Auflagen trainieren. Immer nur mit dem gleichen Partner und pro Tag eine Stunde und natürlich während dieser Zeit ganz alleine im großen Kölner Dojo. Nicht viel Judo für die Olympionikin und den ehemaligen Weltmeister. Aber immerhin wird beiden ein minimales Gefühl von Judo erlaubt. Simon Schnell, ein weiterer ehemaliger HHG-Judoka, heute Athletiktrainer beim Deutschen Judobund, zeichnet für einige Trainingsvideos, zu sehen unter https://www.judobund.de/corona-news/judotraining-deluxe/, verantwortlich. „Schon gut, was Simon da macht“, so Uli Scherbaum. Aber auch das ist halt nur ein Teil des Ganzen, wenn es um Judo geht.