Badminton: Videotraining in Corona Zeiten

Christian Stern Videotraining

Badminton: Christian Stern, Projekttrainer des Verbandes, hält seine Schüler per Liveübertragung aus dem Heinrich-Heine-Gymnasium fit

Wie wichtig die digitale Kommunikation ist, zeigt sich in diesen vom Coronavirus heimgesuchten Zeiten. Auch der Sport nutzt in diesen wettkampf- und trainingslosen Tagen verstärkt die informationstechnischen Möglichkeiten. So auch Christian Stern. Der Badmintontrainer am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) hält seine Schützlinge durch regelmäßige Videoübertragungen in Form und auch bei Laune.Im Foyer der Badmintonhalle des HHG hat Christian Stern an diesem Freitag seine Utensilien, eine blaue Matte, verschiedene Hanteln, ein Stretchband und einen Stuhl, vor der auf einem Stativ befestigten Kamera aufgestellt. „Krafttraining steht heute an“, sagt der 33-Jährige und berichtet lachend, dass er in den seit sechs Wochen über die Bühne gehenden „online sessions“ einige Pfunde verloren habe. Das überrascht nicht, denn er führt die kraftraubenden Übungen nicht nur selbst engagiert vor, er kommentiert sie dabei auch noch mit lockeren Sprüchen, sucht das Gespräch mit seinen live zugeschalteten Schülern, die zu Hause im Wohnzimmer oder im Garten zusammen mit ihm trainieren. Keine Frage, Stern besitzt Entertainment-Qualitäten und einen guten Draht zu seiner Trainingsgruppe, in der die jüngsten Teilnehmer zehn und die ältesten 20 Jahre alt sind. Er versteht es, zu begeistern, in der Trainingshalle oder jetzt, in den Zeiten von Corona, in dieser Videoübertragung. Neben diesen menschlichen, einen guten und erfolgreichen Trainer ausmachenden Eigenschaften ist er auch noch mit allen Wassern der Digitaltechnik, der Sportwissenschaften und statistischen Methoden gewaschen. „Wir sind in der Digitalwelt“, nennt er eine ihn als Trainer leitende Maxime. Dass er bei aller Lockerheit in der Präsentation jede dieser Übungen exakt und minutiös ausgearbeitet hat, zeigt sich schnell im Gespräch mit dem gebürtigen Österreicher, der einen interessanten Lebenslauf vorweisen kann. Das heute so hochgeschätzte Interdisziplinäre, also die Fähigkeit, über den Tellerrand einer Wissenschaft oder eines Fachgebietes zu blicken, verkörpert er. So studierte er in Graz Geowissenschaften und war in Sachen Sport zunächst als Allrounder unterwegs. Gab es doch fast keine Sportart, die er nicht mit Begeisterung betrieben hätte. Dann entdeckte er aber das Badmintonspiel für sich. Früh startete er seine Trainerlaufbahn. So wurde er U15-Nationaltrainer in Österreich, wechselte als hauptamtlicher Trainer zum Badmintonverband Hamburg und danach als Projekttrainer zum Badmintonverband Rheinhessen-Pfalz und ist damit auch seit drei Jahren im Badmintonbereich des HHG aktiv. Es versteht sich von selbst, dass er über seine Badmintonspieler bestens im Bilde ist. Alle körperlichen Daten hat er statistisch erfasst und parat. So weiß er zum Beispiel genau, wie sich der Beinmuskelumfang eines seiner Spieler über eine gewisse Zeitdauer entwickelt hat und ist über den Fitnesszustand jedes Einzelnen informiert. „Christian Stern hat viele Ideen, ist digital fit, hat aber auch unheimliche Stärken im persönlichen Bereich“, lobt Jan Christmann, der Leiter des Sportzweiges des HHG, den innovativen Badmintontrainer. Bei all den vielen, von ihm gesammelten empirischen Daten verliert Stern den Sportler als Menschen nicht aus dem Blick. Nicht der sportliche Erfolg steht für ihn an erster Stelle, vielmehr möchte er seinen Schülern helfen, dass sie ihre Stärken erkennen und sich als Menschen weiterentwickeln. Damit steht er im Einklang mit den Grundsätzen der für ihren Badmintonzweig berühmten Kaiserslauterer Sporteliteschule, die ihre Schüler nicht nur zu Sportassen formen, sondern ihnen auch eine gute schulische Ausbildung angedeihen lassen möchte. Sich auf neue Situation einstellen, „die Rolle des Trainers neu interpretieren“, so entschlossen geht Christian Stern die für den Sport so schwierige Corona-Krise an. Er will nicht „vor einer geschlossenen Tür stehen bleiben und sie nur anstarren, sondern ein Fenster öffnen“. Mit seinem Videotraining ist ihm diese „Fensteröffnung“ gelungen, mit der er seine Schüler fit halten und auf die normalen Zeiten nach Corona „gut vorbereiten“ will.