„Der Hölle entkommen – Vortrag und Gespräch mit der Holocaustüberlebenden Margot Wicki- Schwarzschild“ – Bericht

„Der Hölle entkommen“ – So lautete der Titel des Vortrages der Holocaustüberlebenden Margot Wicki-Schwarzschild am 7. November 2019 im Rahmen der aktuellen CampusKultur-Reihe an der TU Kaiserslautern, dem die Kurse 12h und 13h gemeinsam folgen durften.

Entkommen zu sein – Das können nicht viele von sich behaupten. Vor allem dann nicht, wenn es um das größte Kriegsverbrechen der Deutschen geht, die millionenfache grausame Ermordung von Angehörigen diskriminierter Minderheiten. So war dieser Vortrag mit angeschlossener Fragerunde etwas ganz Besonderes. Die 88-Jährige veranschaulichte mit eigenen und fremden Texten, vor allem aber mit persönlichen Fotografien und ausdrucksvollen Aquarellen von Mitlagerinsassen, ihre aufgrund der jüdisch-katholischen „Mischehe“ ihrer Eltern von Diskriminierung und Leid geprägte Kindheit.

Die gebürtige Kaiserslautererin wurde zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester (1940) ins französische Internierungslager Gurs deportiert. Die gezeigten Aquarelle stammen von Häftlingen aus Gurs, welche die Bilder einer schweizerischen Krankenschwester anvertrauten. Von dort ging es ins nächste Barackenlager, ein Familienlager, in dem die Männer, darunter auch Wicki-Schwarzschilds Vater, in einem nahen Dorf gefährliche Arbeiten in Halbfreiheit verrichten konnten. Nach einiger Zeit durften Mutter und Kinder dem Vater nachziehen und sie erlebten im Dorf gemeinsam einige glückliche Monate, wurden jedoch bald wieder zurück ins Camp de Rivesaltes gebracht. Dort war eigentlich die ganze Familie für die Selektion in den Osten vorgesehen, doch konnte der leitende Commissaire mithilfe eines alten Kommunionfotos der Mutter als Beweis für ihre christliche Herkunft und der überzeugten Unterstützung einer Krankenschwester dazu überredet werden, Mutter und Töchter zu begnadigen, die dann bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland im Oktober 1946 in einem schweizerischen Kinderheim lebten. Obwohl die Schweizer ihnen dort ein schönes Leben ermöglichen wollten, saß die Trauer über die Trennung vom Vater tief, und so überrascht es umso mehr, wie wenig Bitterkeit Margot Wicki-Schwarzschild heute zur Schau stellte.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1946 habe sie vor allem Mitleid für das deutsche Volk empfunden, Hass sei „keine Option“ gewesen, wie sie in der folgenden Fragerunde betont. Vielmehr habe sie Kraft in menschlicher Zuneigung und ihren Lebenssinn in der Arbeit mit Jugendlichen gefunden.

Auch die Tatsache, dass Wicki-Schwarzschild über all dem Leid, das ihr widerfahren ist, die schönen Momente nicht vergessen hat und sie immer noch mit Menschen teilt, sowie ihre zahlreichen Zeugnisse darüber, wie das Engagement Einzelner das Leben immer wieder erträglicher machte, geben Kraft, Hoffnung und Mut, Wicki-Schwarzschilds Forderungen an uns alle zu erfüllen: „Hinschauen statt wegschauen“, „erinnern statt vergessen“ und „handeln statt schweigen“.

Marie Burkhart, 12h