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Ministerium für Bildung,
Frauen und Jugend des Landes Rheinland-Pfalz:
Eckpunkte für die Einrichtung
der
Schule für
Hochbegabtenförderung /Internationalen Schule
in Rheinland-Pfalz
Die
Koalitionsvereinbarung sieht die Schaffung eines Systems zur
Hochbegabtenförderung / lnternationalen Schulen an den drei
Hochschulstandorten Mainz, Kaiserslautern und Trier vor.
1.
In einem ersten Schritt ist vorgesehen, die
Einrichtung der ersten Hochbegabtenschule / lnternationalen Schule am
Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern vorzunehmen. Konkret ist
geplant, mit der Klassenstufe 5 mit einer begrenzten Kapazität in das
Projekt einzusteigen. Bei Bedarf wird die Kapazität schrittweise
ausgeweitet. Die dort gesammelten Erfahrungen sollen für eine zeitlich
versetzte Umsetzung an den Standorten Mainz und Trier genutzt werden.
2.
Die Schule für Hochbegabtenförderung /
Internationale Schule entsteht neben dem sportlichen Schwerpunkt und
erhält eine weitgehende organisatorische und inhaltliche
Eigenständigkeit. Speziell hierfür wird die Stelle eines
Studiendirektors zur Verfügung gestellt. Er erhält eine entsprechende
personelle Unterstützung.
3.
Mit dem Projekt soll möglichst bereits zum Schuljahr
200312004 begonnen werden.
Das
Heinrich-Heine-Gymnasium bietet sich deshalb an, weil.
º
Erfahrungen im Umgang
mit besonders - hier sportlich - begabten Kindern und Jugendlichen
gegeben sind und die individuelle Förderung damit zum Konzept der
Schule gehört,
º
dort bereits ein
Internatsangebot besteht,
º
durch die räumliche Nähe
zur Universität beste äußere Voraussetzungen für eine Kooperation
zwischen Schule und Hochschule bestehen.
4.
Die "Schule für Hochbegabtenförderung /
Internationale Schule" am Heinrich-Heine-Gymnasium soll ein nach
Fächern, Fähigkeiten, Voraussetzungen und Neigungen differenziertes
schulisches Angebot für hochbegabte Schülerinnen und Schüler sowie für
eine internationale Schülerschaft vorweisen. Dieses schulische Angebot
soll folgende Strukturelemente enthalten:
·
Das vorgesehene Angebot
wird nach dem BEGYS-Modell (Begabtenförderung mit Schulzeitverkürzung)
gestaltet.
·
Neben dem Abitur wird ein
zweiter (internationaler) Schulabschluss erreicht (IB, Abi-Bac).
Darüber hinaus sind weitere Zertifizierungen möglich.
·
Es wird ein Sprachangebot
nach dem Prinzip bilingualer Züge vorgesehen.
·
Für die Schule für
Hochbegabtenförderung / Internationale Schule gilt das
Ganztagsschulprinzip.
·
Für die
Hochbegabtenförderung sind darüber hinaus Enrichment-Maßnahmen sowie
eine enge Zusammenarbeit mit den am Standort vorhandenen Hochschulen
geplant. Das inhaltliche Profil der Hochbegabtenschule /
lnternationalen Schule kann sich an den Schwerpunktsetzungen der
Hochschulen, bei diesem ersten Schritt also z-B. der Universität
Kaiserslautern und der Fachhochschule Kaiserslautern anlehnen.
·
Die Zusammenarbeit
zwischen der Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule
und den Hochschulen am Standort wird institutionalisiert. Den
Schülerinnen und Schülern speziell der Sekundarstufe ll (in
Einzelfällen auch der Sekundarstufe I) soll die Möglichkeit eröffnet
werden, im Rahmen von Kooperationsverträgen Lehrveranstaltungen an den
Hochschulen zu besuchen. Umgekehrt sollen Hochschullehrer teilweise
auch an den Schulen unterrichten können. Schülerinnen und Schüler
sollen Leistungsnachweise erwerben können, die im Rahmen eines späteren
Studiums anerkannt werden. Auch die Studienleistungen müssen Eingang in
die Leistungsfeststellung der Schule finden können.
·
Zusammen mit der
schulischen Organisation ist die Einrichtung eines Beratungs- und
Kompetenzzentrums für Hochbegabtenförderung am Schulstandort
vorgesehen. Neben qualifiziertem Lehrpersonal im Bereich Hochbegabung
soll das Fachpersonal in der schulpsychologischen Beratungsstelle für
die Beratung von Hochbegabten und deren Eltern weiterqualifiziert
werden.
·
Zusatzangebote sind für
die internationalen Schülerinnen und Schüler insbesondere in Form von
muttersprachlichen Unterrichtsangeboten sowie Deutsch als Fremdsprache
vorgesehen.
5.
Die aufzunehmenden Schülerinnen und Schüler werden
durch ein geeignetes Auswahlverfahren bestimmt. Dabei wird für
besonders begabte Schülerinnen und Schüler ein Aufnahmeverfahren
entwickelt. Ausländische Schülerinnen und Schüler oder solche mit
besonderen sprachlichen Fähigkeiten z. B. durch einen längeren
Auslandsaufenthalt werden nach Feststellung einer gymnasialen Eignung
und spezieller Sprachkenntnisse aufgenommen. Ein Quereinstieg in höhere
Klassen ist je nach Fähigkeiten der sich bewerbenden Schülerinnen und
Schüler und vorhandener Kapazität möglich. Auch so genannte
"Minderleister" ("Underachiever") sollen aufgenommen und integriert
werden
6.
Die neuen Lehrerstellen werden schulbezogen
ausgeschrieben. Über die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern muss
im Rahmen eines speziellen Auswahlverfahrens entschieden werden.
Lehrerinnen und Lehrer müssen im Hinblick auf die Hochbegabtenförderung
durch entsprechende Fortbildungsmaßnahmen weiter qualifiziert werden.
7.
Für die hochbegabten Kinder und Jugendlichen ist
eine individuelle Förderung und Gestaltung von Lernprozessen besonders
wichtig. Dabei kann es vielfältige Unterrichtsformen sowie schulische
und außerschulische Angebote geben:
-
Authentisches,
ganzheitliches und eigenständiges Lernen besonders durch Arbeit an
Projekten.
-
Individuelle
Förderprogramme z. B. nach dem so genannten "Drehtürmodell" mit
speziell abgestimmter inhaltlicher und organisatorischer Gestaltung von
Unterrichts- und Projektphasen und Dokumentation durch Lerntagebücher.
-
Förderung des vernetzten
Denkens durch fachübergreifendes und fächerverbindendes Lernen.
-
Zügiger, werden
Förderprogramme zur Förderung der Chancengleichheit zwischen den
Geschlechtern (z.B. zur Förderung naturwissenschaftlich-technischer
Begabungen bei Mädchen und zur Förderung des Zugangs von Mädchen zu
Informations- und Kommunikationstechnologien).
-
Angebote von
Universitäten und Fachhochschulen sollen z.B. Vorträge im Unterricht
oder Veranstaltungen in der Universität, universitäre Praktika und
Kurse, Modellierungswochen (Bearbeitung realer Problemstellungen mit
mathematisch-naturwissenschaftlichen Methoden), Ferienakademien,
Fernstudienangebote (virtueller Campus) und die Möglichkeit des
Studiums parallel zum Unterricht beinhalten.
-
Weiterhin sollen
gestraffter, inhaltlich und organisatorisch verstärkt offener
Unterricht.
-
Fachunterricht in einer oder mehreren
Fremdsprachen sowie ein ausgeweitetes Angebot im MINT-Bereich
(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)
-
Lernen durch Präsentation
des Gelernten und eine erhöhte Medienkompetenz.
-
Arbeitsgemeinschaften in
Bereichen wie z.B. Kultur, Sprachen, Naturwissenschaften, Sport oder
auch im Hinblick auf soziales Engagement, die über das übliche
schulische Angebot hinausweisen.
-
Angebote
interessengeleiteter und jahrgangsstufenunabhängiger sowie
fachübergreifender Unterrichtsformen und Arbeitsgemeinschaften und die
punktuelle und längerfristige Leitung von Arbeitsgemeinschaften durch
Schülerinnen und Schüler, die über Spezialkenntnisse verfügen.
-
Besonders beachtet
Angebote durch Firmen und Institute (auch im Ausland) z.B. im Hinblick
auf Ausstattung (Labor, Schulungsräume, Software), Unterricht durch
Mitarbeiter von Firmen in Schulen oder die Einbindung von Schülerinnen
und Schülern in Firmenprojekte genutzt werden. Gefördert werden
Partnerschaften mit privaten und öffentlichen Institutionen und
Vereinen im Hinblick auf die Durchführung von Wettbewerben und von
Veranstaltungen zu philosophischen, politischen, künstlerischen und
weltanschaulichen Themen.
8.
Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden
und von einer Projektgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und
Vertretern des Heinrich-Heine-Gymnasiums, des Ministeriums, der
Schulaufsicht, der Fortbildungsinstitute und weiteren Lehrerinnen und
Lehrern gesteuert. Die Projektgruppe nimmt zum Schuljahresbeginn
2002/2003 ihre Arbeit auf.
Pressemeldung
des MBFJ vom 11.09.2002
(Quelle: http://www.mbfj.rlp.de)
Ahnen: Startschuss für konkrete
Umsetzung Hochbegabtenschule/Internationale Schule
Auf der Basis des im Sommer vorgelegten Eckpunktepapiers zur
Einrichtung der ersten Hochbegabtenschule/Internationalen Schule am
Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) in Kaiserslautern hat heute unter
Leitung von Bildungsministerin Doris Ahnen die neu eingesetzte
Planungsgruppe ihre Arbeit aufgenommen.
Aufgabe
dieser Planungsgruppe ist die konkrete Umsetzung der Rahmenvorgaben in
die schulische Praxis. Neben Vertreterinnen und Vertretern aus
Ministerium, Schulaufsicht und pädagogischen Serviceeinrichtungen
gehören der Planungsgruppe die Schulleitung des
Heinrich-Heine-Gymnasiums sowie ausgewählte Lehrkräfte und Vertreter
der Universität Kaiserslautern an. Sie umfasst im Kern 12 Mitglieder,
kann aber bei Bedarf erweitert werden.
Ich bin
heute gerne zu dieser wichtigen konstituierenden Sitzung gekommen, um
deutlich zu machen, dass mir die Hochbegabtenförderung und die Gründung
der ersten Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz ein besonderes
Anliegen ist. Es ist gut und wichtig, dass wir nach vielen Gesprächen
mit Expertinnen und Experten jetzt mit Engagement an die konkrete
standortbezogene Planung und Umsetzung gehen, begrüßte
Bildungsministerin Doris Ahnen die anwesenden Mitglieder nach einem
Rundgang über das Gelände des Heinrich-Heine-Gymnasiums und einem
Gespräch mit der Schulleitung sowie dem örtlichen Personalrat. Ziel der
Arbeit der Planungsgruppe sei, ein nach Fächern, Fähigkeiten,
Voraussetzungen und Neigungen differenziertes schulisches Angebot für
hoch begabte Schülerinnen und Schüler sowie für eine internationale
Schülerschaft vorzubereiten. Der gesammelte Sachverstand aus
Schulverwaltung, Schulpsychologischem Dienst, Lehrerfort- und
-weiterbildung sowie schulischer und universitärer Praxis sei in dieser
Planungsgruppe repräsentiert. Ich freue mich ganz besonders darüber,
dass der Präsident der Universität Kaiserslautern, Prof. Dr. Schmidt,
sein besonderes Interesse an dieser Schule durch seine Anwesenheit bei
dieser Sitzung dokumentiert. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass
die Kooperation zwischen Schule und Universität durch dieses bislang
einzigartige Projekt neue richtungsweisende Impulse erhält, sagte die
Ministerin. Dringendste Aufgabe der Planungsgruppe sei die Erstellung
eines Projektplanes, einer Information für interessierte Eltern und
Schülerschaft sowie die detaillierte Entwicklung eines geeigneten
Aufnahmeverfahrens für die zu erwartenden Schülerinnen und Schüler. Ich
bin sicher, dass Schulleitung und Kollegium des
Heinrich-Heine-Gymnasiums mit der Unterstützung der Planungsgruppe
diese schwierige aber auch interessante Aufgabe erfolgreich meistern
werden. Sie werden dabei intensiv von allen Verantwortlichen
unterstützt, so Bildungsministerin Doris Ahnen.
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